Skiatlas Sierra Nevada
Die spanische Sierra Nevada ist die Maximaldosis Ski-Exotik, dieman ohne Verlassen des europäischen Kontinents konsumieren
kann. Exotisch ist jedoch nur die Lage des 1964 eröffneten
andalusischen Skiresorts oberhalb der faszinierenden Maurenstadt
Granada, deren Besuch man auf keinen Fall verpassen
sollte, zumal dort im angenehm temperierten Winter wesentlich
weniger Touristen sind als im brütend heißen Sommer und hinter
dem Maurenpalast der Alhambra die weißverschneiten Berge der
Sierra Nevada besonders gut zur Geltung kommen. Dort oben
lassen eine der modernsten Liftflotten Europas, Schnee aus 800
Kanonen und ein runderneuerter Skiort (die Autos verschwinden
in der größten Parkgarage Spaniens) direkt am Fuß der
Pisten fast vergessen, dass man sich hier auf 37 Grad nördlicher
Breite und damit südlicher als Tunis befindet. Die Fahrkünste
der andalusischen Pistenfans sorgen hingegen für Orientierung.
Ganz so ernst nimmt man es hier mit dem sportlichen Aspekt des
Skifahrens offensichtlich nicht. Vielleicht reicht bei manchen
die Kraft ganz einfach nicht zum kontrollierten Schwungtraining,
denn die Nächte von Sierra Nevada sind lang. Dementsprechend
sind die südspanischen Skifans auch keine Frühaufsteher, ab 10
Uhr scheinen sie dann aber alle gleichzeitig an den Kabinenbahnen
zu stehen, die von Pradollano (2100 m) zur zentralen
Pistendrehscheibe Borreguiles hinaufführen.
Pradollano wurde zur alpinen Skiweltmeisterschaft 1995 (die
dann aber wegen Schneemangels auf 1996 verschoben werden
musste) in einen sehr ansehnlichen Skiort verwandelt, wo sich
Shops, einige Restaurants und Bars um autofreie Plätze gruppieren.
Die meisten Unterkünfte befinden sich jedoch in älteren,
weniger ansprechenden Bauten, die an der Straße liegen, die sich
die steile Bergflanke hinter Pradollano hinaufwindet. Auch eine
Sesselbahn führt diesen Hang hinauf. Sie bedient mittelschwere
Pisten, die hinunter zu den Kabinenbahnstationen führen. An dieser
Bahn bilden sich nachmittags die längsten Schlangen.
Oben in Borreguiles gibt es exzellentes Terrain für Anfänger und
von hier aus starten Lifte zu den sehr weitläufigen Hängen am
3398 m hohen Veleta, dem dritthöchsten Berg des spanischen
Festlands. Von seinem Gipfel kann man über das Mittelmeer bis
zu den Bergen des Hohen Atlas und Rif-Gebirges in Afrika schauen
– gute Sicht vorausgesetzt. Auf dem Pico Veleta hat man die
Wahl zwischen rund zwei Dutzend Abfahrtsvarianten. Richtung
Pradollano kann man entweder eine der vielen Varianten auf der
breit ausladenden Flanke nehmen oder via Borreguiles durch den
Talgrund abfahren. Letztere Variante ist besonders nachmittags
stark frequentiert. Alternativ kann man vom Veleta die weitläufige
Bergschale der Laguna de las Yeguas mit ihren ausschließlich
mittelschweren Carvingstrecken und Tiefschneeoptionen auf der
Rückseite des Berges ansteuern. Die dritte Zone des Skigebietes
von Sierra Nevada, Loma de Dilar, erreicht man von Pradollano
mit der Sesselbahn Jara. Auf dem Plateau von Loma de Dilar
gibt es ausschließlich leichte Pisten. Zurück nach Pradollano
führen jedoch auch einige schwarze Abfahrten über die weltmeisterlichen
Slalom- und Riesenslalomstrecken ins Skistadion.
Insgesamt sind die Optionen für Könner eher eingeschränkt,
Genussskifahrer kommen in der Sierra Nevada eher auf ihre
Kosten. Das Wetter in der Sierra Nevada steht übrigens in keinem
Verhältnis zu jenem in den Alpen. Gerade in Wintern, in denen es
dort Schneemangel hat, kann es in Südspanien besonders viel
Schnee geben. Zwar reicht der Schnee in der Sierra Nevada nicht
mehr ganz so lang ins Frühjahr wie noch in den 80er- Jahren,
aber während der Hauptsaison von Dezember bis April stehen die
Lifte – auch dank der neuen Beschneiungsanlage – in der Regel
nur wegen zu starkem Wind einmal still. Auch bei Schneefall und
Nebel ist das Skifahren hier kein Vergnügen, denn es gibt keinen
einzigen Baum. Zum Glück notiert die Station aber 255 Sonnentage
pro Jahr. Ab März bedeuten Sonnentage Sulzschnee. Dafür
kann man den Nachmittag an den Stränden der Costa del Sol
verleben. Die Fahrt über die Schnellstraße nach Granada und weiter
auf der Autobahn ans Meer dauert rund zwei Stunden.
Quelle: www.adac-skiguide.de
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